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Marktupdate Ende Januar 2026: Sell America, US-Dollar unter Druck und Europas neue Stärke
Der Januar 2026 neigt sich bereits dem Ende zu – und einmal mehr zeigt sich: Von Ruhe an den Märkten kann keine Rede sein. Im aktuellen Webinar haben wir die jüngsten Entwicklungen rund um die sogenannte Sell-America-Debatte, den US-Dollar, Staatsanleihen, Rohstoffe und Europas Rolle im globalen Handel eingeordnet.
Gerade die letzten Handelstage haben deutlich gemacht, dass sich an den Kapitalmärkten etwas verschiebt.
Sell America: Was steckt hinter der Debatte?
Die sogenannte Sell-America-Debatte ist kein kurzfristiges Phänomen. Sie begleitet die Märkte bereits seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten vor rund einem Jahr. Damals begann eine zunehmende Verunsicherung – sowohl innerhalb der USA als auch international.
In den letzten Tagen ist diese Debatte jedoch wieder deutlich sichtbarer geworden:
- Der US-Dollar wurde massiv verkauft
- Das Währungspaar EUR/USD konnte davon spürbar profitieren
- Vor allem US-Staatsanleihen (Treasuries) geraten zunehmend unter Druck
Ein entscheidender Punkt dabei:
Die Schulden der USA liegen größtenteils nicht bei amerikanischen Investoren, sondern bei ausländischen Gläubigern. Während früher China der größte Halter war, haben sich die Gewichte inzwischen deutlich verschoben. Länder wie Großbritannien, Europa, Japan und auch Schwellenländer diversifizieren zunehmend – weg von den USA.
US-Staatsanleihen: Steigende Risiken, steigende Zinsen
Aktuell beobachten wir verstärkte Verkäufe von US-Staatsanleihen durch internationale Investoren. Die Konsequenzen sind gravierend:
- Steigende Renditen: Sinkende Anleihepreise führen automatisch zu höheren Zinsen
- Höhere Finanzierungskosten für die USA
- Wertverlust der Sicherheiten, auf denen die US-Verschuldung basiert
Besonders betroffen sind derzeit kurz- und mittelfristige Laufzeiten, während langfristige Anleihen (z. B. 10 Jahre) eher verzögert reagieren. Dennoch leidet vor allem eines: die Reputation der USA als verlässlicher Schuldner.
Die US-Notenbank (Fed) steht dabei unter enormem Druck. Trotz politischer Forderungen nach Zinssenkungen gilt eine weitere Lockerung aktuell als sehr unwahrscheinlich. Viel entscheidender als der Zinsschritt selbst werden daher die kommunikativen Signale der Fed sein.
Politische Eskalation statt Stabilität
Parallel zu den Marktbewegungen verschärft sich die politische Rhetorik. Die Drohung mit Vergeltungszöllen gegen Länder, die US-Staatsanleihen verkaufen, sorgt zusätzlich für Unsicherheit.
Diese Art der Eskalation wirkt wie ein Brandbeschleuniger:
- Handelsbeziehungen werden belastet
- Vertrauen geht verloren
- Märkte reagieren zunehmend nervös
Gerade für langjährige Handelspartner wie Europa ist diese Entwicklung bemerkenswert – und problematisch.
Wohin fließt das Kapital?
Wenn Investoren US-Staatsanleihen meiden, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wohin geht das Geld?
Aktuell sehen wir Kapitalströme vor allem in:
- Europäische Staatsanleihen (AAA-Niveau)
- Schweizer Franken und Schweizer Anleihen
- Japanische Staatsanleihen
- Rohstoffe – insbesondere Gold und Silber
Dabei kommt es teilweise zu extremen Übertreibungen:
- Goldpreise auf historischen Höchstständen
- Silber erstmals über der 100-Dollar-Marke
- Zunehmende Spekulation über Derivate, weniger physische Nachfrage
Das alles sind klare Anzeichen für Blasenbildung. Die Fallhöhe ist hoch – und das Risiko entsprechend groß.
Rohstoffe und Dollar: Ein gefährlicher Zusammenhang
Ein schwächerer US-Dollar führt automatisch zu steigenden Rohstoffpreisen, da diese überwiegend in Dollar gehandelt werden. Das betrifft nicht nur Edelmetalle, sondern auch Öl und Gas.
Die Folge:
- Steigende Preise trotz eigentlich schwacher Nachfrage
- Zusätzliche Belastung für Verbraucher und Industrie
- Verzerrte Marktmechanismen
US-Shutdown: Déjà-vu mit System
Erneut steht die USA vor einem möglichen Government Shutdown. Kern der Diskussion ist wieder die Anhebung der Schuldenobergrenze – verbunden mit politischen Streitpunkten wie:
- Finanzierung der Krankenversicherung (Obamacare)
- Sozial- und Rentensysteme
- Umgang mit der Einwanderungsbehörde ICE
Diese wiederkehrenden Blockaden untergraben langfristig das Vertrauen in die politische und fiskalische Stabilität der USA.
Europa: Vom Sorgenkind zur strategischen Alternative
Während viele Beobachter Europa lange als „lahme Ente“ bezeichnet haben, zeigt sich aktuell ein ganz anderes Bild:
- Schnelle Reaktion auf Handelskonflikte
- Neue Freihandelsabkommen (Mercosur, Indien)
- Enormes Wachstumspotenzial durch neue Partnerschaften
Allein das Abkommen mit Indien betrifft einen Markt von rund zwei Milliarden Menschen und ein Handelsvolumen von mehreren zehn Milliarden Euro. Europa positioniert sich damit zunehmend als strategische Alternative im globalen Handel.
Fazit: Hohe Volatilität, klare Signale
Die aktuellen Marktbewegungen sind keine Randerscheinung – sie sind ein klares Signal für strukturelle Veränderungen im globalen Finanzsystem.
Für Anleger bedeutet das:
- Ruhe bewahren
- Übertreibungen erkennen
- Risiken aktiv managen
- Diversifikation konsequent umsetzen
Wir bleiben für Sie dran und ordnen die Entwicklungen weiterhin ein.