Alternavest-Insides
Inside Alternavest: Euro-Dollar, geopolitische Risiken und Kryptomärkte im Wartemodus (17.02.2026)
Dienstag, 11:45 Uhr – Inside Alternavest liefert wie gewohnt ein kompaktes Marktupdate über die wichtigsten Entwicklungen in den relevanten Assetklassen. In der heutigen Ausgabe standen insbesondere der Euro-Dollar, die makroökonomische Lage in den USA, geopolitische Risiken rund um den Iran sowie die aktuelle Verfassung der Kryptomärkte im Fokus.
Chinesisches Neujahr als symbolischer Auftakt
Ein kurzer Blick über den Tellerrand: In China wurde in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar das Neujahr gefeiert. Das „Jahr des Feuerpferdes“ steht in der chinesischen Tradition für Dynamik, Veränderung und Momentum – ein passender Kontext für Märkte, die aktuell zwischen Risiko und Vorsicht schwanken.
Euro-Dollar: Kursziel erreicht, danach Stabilisierung
Der Euro-Dollar-Kurs hat im Januar die Marke von 1,20 erreicht – ein Niveau, das bereits in den vergangenen Wochen als Zielzone genannt wurde. Nach dem Hoch kam es zu einer moderaten Korrektur, wodurch sich EUR/USD aktuell bei rund 1,184 stabilisiert.
Als wesentlicher Treiber der Bewegung gilt der deutliche Abverkauf von US-Staatsanleihen. Gleichzeitig nimmt das Vertrauen in den US-Dollar in Teilen des globalen Marktes ab. Insbesondere China reduziert seit Jahren strategisch seine US-Treasury-Bestände und diversifiziert stärker in eigene Währungspositionen sowie in Gold.
Nach einem kurzfristigen Überschießen bis 1,21 befindet sich der Euro nun in einer Konsolidierungsphase. Für die kommenden Wochen erscheint eine Seitwärtsbewegung zwischen 1,18 und 1,19 plausibel. Ein Rücklauf bis 1,17 ist nicht ausgeschlossen, jedoch kurzfristig nicht das Hauptszenario. Auf Sicht der kommenden Monate bleibt die Erwartung tendenziell eurofreundlich.
Makroökonomie: Arbeitsmarkt und Inflation bleiben die Schlüsselfaktoren
Für die weitere Entwicklung des Währungsmarktes bleiben die US-Wirtschaftsdaten entscheidend. Besonders im Fokus stehen weiterhin die Non-Farm Payrolls sowie die Inflationsdaten.
Die jüngsten Arbeitsmarktdaten für Januar fielen überraschend robust aus: Rund 130.000 neue Stellen wurden geschaffen. Das steht im Kontrast zu den Monaten zuvor, in denen sich eine Abschwächung des Arbeitsmarkts abzeichnete. Gleichzeitig bleibt das Bild uneindeutig: Während in einzelnen Bereichen weiterhin Beschäftigung aufgebaut wird, kündigen große Unternehmen – insbesondere im Tech-Sektor – Stellenstreichungen an. Die zunehmende Automatisierung und der Einsatz von KI spielen hierbei eine wachsende Rolle.
Auch bei der Inflation zeigen sich positive Signale. In den USA ist sie leicht rückläufig, bleibt jedoch auf erhöhtem Niveau. In Europa fällt die Entspannung deutlicher aus. Der zuletzt gemeldete Wert lag bei rund 1,7 % im Jahresvergleich und damit bereits unterhalb des 2%-Ziels der EZB.
Zinsen: Erwartung vorsichtiger Lockerung – aber nicht sofort
Die Zinsstrategie der Federal Reserve bleibt ein zentraler Treiber für den US-Dollar. Nach den vergangenen Jahren hoher Zinssätze hängt die weitere Entwicklung stark davon ab, wie sich Inflation und Arbeitsmarkt gleichzeitig entwickeln.
Aktuell erscheint es realistisch, dass die FED 2026 ein bis zwei Zinssenkungen vornehmen könnte – allerdings eher in der zweiten Jahreshälfte. In diesem Zusammenhang wurde auch die mögliche Veränderung an der Spitze der Federal Reserve thematisiert. Ein Wechsel könnte die Kommunikation und die taktische Ausrichtung der Geldpolitik beeinflussen.
Kapitalflüsse: Viele Märkte gleichzeitig unter Druck
Auffällig ist derzeit ein ungewöhnliches Gesamtbild:
- Der US-Dollar schwächelt
- US-Anleihen werden verkauft
- Gold korrigiert nach einer Übertreibungsphase
- Kryptomärkte haben deutlich nachgegeben
- US-Aktienmärkte zeigen erste Ermüdungserscheinungen, vor allem im Nasdaq
Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wohin fließt Kapital, wenn sowohl Dollar als auch Anleihen unter Druck stehen?
Die Antwort ist derzeit nicht eindeutig. Vieles deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer Risiko reduzieren und vorübergehend defensiver agieren. In diesem Umfeld wirkt es so, als würden viele Investoren zunächst „die Chips vom Tisch nehmen“ und Liquidität aufbauen, bis sich ein klareres Bild ergibt.
Geopolitik: Iran als potenzieller Wendepunkt
Ein besonders relevanter Risikofaktor bleibt die Lage im Nahen Osten. Heute finden Gespräche in Genf statt, bei denen US-Vertreter und iranische Diplomaten aufeinandertreffen.
Die Situation birgt zwei mögliche Szenarien:
- Ein diplomatischer Durchbruch könnte eine deutliche Entspannung an den Märkten auslösen.
- Eine Eskalation hätte potenziell massive Auswirkungen auf Rohstoffe, Risikoassets und die globale Stabilität.
Vor dem Hintergrund der aktuellen militärischen Positionierung der USA in der Region bleibt das Thema marktbewegend – und dürfte auch in den kommenden Wochen eine zentrale Rolle spielen.
Kryptomärkte: Konsolidierung wahrscheinlich, langfristig attraktivere Niveaus
Bitcoin und Ethereum befinden sich nach den Hochständen des Herbstes in einer ausgeprägten Korrekturphase. Bitcoin hat rund 50 % nachgegeben, Ethereum sogar etwa 60 %.
Kurzfristig deutet vieles auf eine Fortsetzung der Konsolidierung hin. Eine schnelle Rückkehr in Richtung 80.000 bis 100.000 US-Dollar erscheint aktuell eher unwahrscheinlich. Stattdessen könnten in den kommenden Wochen erneute Tests im Bereich um 70.000 US-Dollar erfolgen – mit der Möglichkeit, dass auch niedrigere 60.000er-Niveaus kurzfristig noch einmal angelaufen werden.
Ein dramatischer Crash in Richtung 20.000 US-Dollar wird hingegen nicht als Basisszenario gesehen. Der Markt ist strukturell reifer geworden, unter anderem durch die institutionelle Beteiligung über Bitcoin-ETFs, die die Marktstruktur deutlich verändert haben.
Langfristig betrachtet können die aktuellen Kursniveaus jedoch als deutlich attraktiver bewertet werden als noch in der Übertreibungsphase der vergangenen Monate.
Rohstoffe: Öl bleibt geopolitisch sensibel
Der Ölmarkt reagiert weiterhin stark auf geopolitische Spannungen. Zwar gab es in den vergangenen Tagen kurzfristige Preisspitzen, doch die Marke von rund 65 US-Dollar pro Barrel konnte nicht nachhaltig zurückerobert werden.
Langfristig wird eine eher schwächere Entwicklung für Öl erwartet, jedoch bleibt der Markt kurzfristig hoch anfällig für Nachrichten aus dem Nahen Osten.
Fazit
Die Märkte bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld aus Makroökonomie, Kapitalflüssen und geopolitischen Risiken. Während sich Inflation und Zinsausblick langsam stabilisieren, bleibt die globale Unsicherheit hoch – und sorgt dafür, dass viele Assetklassen gleichzeitig in einer Übergangsphase verharren.
Inside Alternavest bleibt an diesen Themen dran und wird auch in der kommenden Woche die wichtigsten Entwicklungen einordnen.