Marktausblick 2026: Volatilität als struktureller Faktor – Chancen in liquiden Märkten
Marktausblick 2026
Volatilität als struktureller Faktor – Chancen in liquiden Märkten
Das Jahr 2026 steht an den globalen Finanzmärkten für eine Phase der
wirtschaftlichen Stabilisierung, jedoch nicht für eine Rückkehr zu planbaren
oder risikoarmen Marktbedingungen. Sinkende Inflationsraten, technologische
Fortschritte und geldpolitische Lockerungen wirken grundsätzlich
unterstützend. Gleichzeitig haben geopolitische Spannungen, politische
Eingriffe und strukturelle Verschiebungen im globalen Wirtschaftssystem eine
neue Qualität erreicht.
Aus meiner Sicht ist 2026 daher kein klassisches Wachstumsjahr. Volatilität ist
nicht mehr nur ein Begleitphänomen, sondern ein dauerhafter Bestandteil der
Preisbildung. Anlageerfolg entsteht zunehmend nicht durch präzise
Prognosen, sondern durch einen systematischen Umgang mit Unsicherheit –
insbesondere in liquiden Märkten.
Makroökonomisches Umfeld: Erholung mit begrenzter Planbarkeit:
Nach mehreren schwächeren Jahren wird für 2026 eine moderate
konjunkturelle Erholung erwartet. Für Deutschland wird ein BIP-Wachstum von
rund 1,2 % prognostiziert, global liegt die Erwartung bei etwa 2,8 %. Die
Inflation nähert sich in der Eurozone dem Zielwert von 2 %, was den
Zentralbanken grundsätzlich weiteren geldpolitischen Spielraum eröffnet.
Gleichzeitig zeigt sich, dass geldpolitische Signale an Aussagekraft verlieren.
Unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslagen führen zu einer
zunehmenden Entkopplung der Geldpolitik zwischen den großen
Wirtschaftsblöcken. Zinssenkungen in Europa und den USA stehen restriktiveren
Haltungen in anderen Regionen gegenüber.
Aus meiner Sicht bedeutet das:
Die wirtschaftliche Lage stabilisiert sich, die Unsicherheit verschwindet jedoch
nicht. Sie verlagert sich weg von klassischen Konjunkturzyklen hin zu politischen
Entscheidungen, geopolitischen Entwicklungen und abrupten Regimewechseln.
Aktienmärkte: Fundamentale Unterstützung, strukturelle Fragilität
Für die Aktienmärkte ergibt sich 2026 ein insgesamt konstruktives, aber fragiles
Bild. In den USA stützen steigende Unternehmensgewinne sowie fiskalische
Programme die Märkte.
Gleichzeitig reagieren Aktienmärkte deutlich sensibler auf externe Impulse:
∙ Handels- und Zollpolitik
∙ geopolitische Ereignisse
∙ sektorale Eingriffe und Subventionsprogramme
Meiner Einschätzung nach verlieren breite Marktbewegungen damit an
Aussagekraft. Entscheidender werden Risikokontrolle, Diversifikation und die
Fähigkeit, Exposures flexibel an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
Technologie: KI als operativer Bestandteil von Entscheidungsprozessen
Künstliche Intelligenz entwickelt sich 2026 von einem unterstützenden
Analysewerkzeug zu einem operativen Bestandteil vieler Finanzprozesse.
Insbesondere in der Risikobewertung, im Monitoring von Marktregimen und in
der Mustererkennung verändert KI die Art, wie Entscheidungen vorbereitet
und umgesetzt werden.
Wichtig ist mir dabei eine klare Einordnung:
KI ersetzt weder Erfahrung noch robuste Modelle. Sie verbessert die Qualität
systematischer Prozesse, indem sie Informationsverarbeitung beschleunigt und
komplexe Zusammenhänge transparenter macht.
Geopolitik: Volatilität als strukturelles Marktmerkmal
Geopolitische Risiken sind 2026 nicht mehr als temporäre Störfaktoren zu
betrachten. Rivalitäten zwischen Großmächten, die Fragmentierung der
Weltwirtschaft in Handels- und Einflussblöcke sowie zunehmender staatlicher
Interventionismus wirken dauerhaft auf Kapitalmärkte ein.
Diese Entwicklungen führen dazu, dass:
∙ politische Entscheidungen direkte Marktbewegungen auslösen
∙ Risikoprämien dauerhaft eingepreist bleiben
∙ klassische Korrelationen zeitweise versagen
Aus meiner Sicht ist Volatilität damit kein Ausnahmezustand mehr, sondern
ein strukturelles Merkmal der Märkte.
Gold: Stabilitätsanker mit eigener Dynamik
Vor diesem Hintergrund nimmt Gold 2026 eine besondere Rolle ein.
Der Goldpreis wird gestützt durch:
∙ geopolitische Unsicherheiten
∙ hohe Staatsverschuldung und fiskalische Risiken
∙ sinkende Realzinsen
∙anhaltende Nachfrage seitens der Zentralbanken
Gleichzeitig zeigt sich, dass Gold nicht mehr ausschließlich als statischer
„sicherer Hafen“ fungiert. Gold ist ein hochliquider Markt, der kurzfristig stark
auf Veränderungen bei Zinsen, Währungen und Risikoaversion reagiert.
Aus meiner Sicht kann Gold Portfolios stabilisieren, ist jedoch selbst volatil. Der
Mehrwert entsteht nicht durch eine passive Haltung, sondern durch einen
bewussten, systematischen Umgang mit Schwankungen.
Politische Rahmenbedingungen: Direkter Einfluss auf Märkte
Politische Entscheidungen wirken 2026 stärker direkt auf Kapitalmärkte als in
früheren Zyklen. Handelsabkommen, Zölle, industriepolitische Programme und
Investitionszusagen beeinflussen Kapitalflüsse, Währungen und
Sektorentwicklungen teilweise stärker als klassische Konjunkturdaten.
Für Anleger bedeutet das:
∙ höhere kurzfristige Marktbewegungen
∙ stärkere Differenzierung zwischen Regionen und Sektoren
∙ geringere Vorhersagbarkeit politischer Entscheidungen
Regionale Perspektive: Südamerika
Südamerika zeigt 2026 ein vergleichsweise stabiles Bild mit Wachstumsraten
zwischen 2,3 % und 2,5 %. Die Inflation ist in vielen Ländern besser kontrolliert
als in früheren Zyklen, was die Volatilität reduziert.
Gleichzeitig bleibt die Region stark abhängig von globaler Nachfrage,
Rohstoffpreisen und externen politischen Entwicklungen. Chancen bestehen
selektiv, erfordern jedoch aktives Management.
Implikationen für Anlagestrategien 2026:
Aus meiner Sicht lassen sich für 2026 mehrere zentrale Schlussfolgerungen
ziehen:
∙ Volatilität bleibt über Assetklassen hinweg erhöht
∙ geopolitische Risiken sind kaum prognostizierbar
∙ geldpolitische Signale verlieren an Klarheit
∙ auch defensive Anlagen unterliegen Schwankungen
Daraus folgt:
Aktive, regelbasierte Ansätze gewinnen an Bedeutung. Liquide Märkte
ermöglichen Anpassungsfähigkeit, systematische Volatilitäts- und
Risikosteuerung wird entscheidend.
Fazit:
2026 ist kein Jahr einfacher Marktentscheidungen.
Es ist ein Marktumfeld, in dem Disziplin, Systematik und Risikokontrolle über den
langfristigen Anlageerfolg entscheiden.
— Massimo di Santo